Westfälische Rundschau: Wenigstens etwas rausgeholt

Kahlschlag in Westfalen – die Westfälische Rundschau atmet nicht mehr. In einer beispiellosen Aktion wurden die Redaktionen der Westfälischen Rundschau geschlossen, Feste und Freie müssen sich neue Aufgabenfelder suchen. Während Feste zumindest durchs Arbeitslosengeld ein wenig abgesichert sind, stehen die Freien finanziell vor dem Nichts. Zumindest eine kleine soziale Abfederung konnte ver.di dem WAZ-Konzern abringen.

Profitieren können von dem Angebot grundsätzlich Freie, die einen jährlichen Mindestjahresumsatz von 7.500 € erzielt haben. Und zwar im Durchschnitt – und der errechnet sich aus der gesamten Vertragslaufzeit. Wer da länger als ein Jahr dabei ist und diese Kriterien erfüllt, der (oder die) erhält 25 Prozent des Jahresumsatzes quasi als Abfindung, also mindestens 1875 €.

Wer sogar länger als drei Jahre dabei ist und ebenfalls im Jahresschnitt auf einen Umsatz von mindestens 7.500 € – errechnet über die gesamte Vertragslaufzeit – erwirtschaftet hat, soll eine Abfindung von 50 Prozent erhalten, also mindestens 3750 €.

Für die Freien, die mehr als fünf Jahre dabei sind und ebenfalls den durchschnittlichen Jahresumsatz von 7.500 € – dieses Mal errechnet aus den vergangenen fünf Jahren der Vertragslaufzeit – erreichten, gilt, dass sie sogar drei Viertel des Jahresumsatzes als Abfindung erhalten, also mindestens 5625 €.

Dieses Angebot gilt auch für die Freien, die zwischenzeitlich bei den zahlreichen Umstrukturierungen bei der WAZ-New Media untergekommen sind. Sie haben vielleicht die Nachrichtenportale der Westfälischen Rundschau mitgestaltet. Wenn nun auf Grund der Auflösung der WR-Redaktionen hier Freie arbeitslos werden, können diese ebenfalls von den obigen Regelungen profitieren.

Diese sozialen Leistungen – erkämpft von den beiden Journalistengewerkschaften ver.di und DJV – können die Situation der betroffenen Freien nicht grundlegend verbessern. Dies ist den Gewerkschaften klar. Und viele Freie haben es noch nicht einmal geschafft, jeden Monat im Schnitt 625 € zu erwirtschaften, so üppig waren die Zeilenhonorare nicht. Das Geld hilft ein wenig, die große Herausforderung wird sein, dass die Betroffenen wieder eine neue Einkommensquelle erzielen. Und die wird nicht immer im Journalismus sein …

Noch eines aber zeigt dieser „Sozialplan“: Es lohnt sich, frühzeitig auf faire Honorare zu pochen. Denn irgendwie müssen die durchschnittlichen Jahresumsätze ja erwirtschaftet werden, und bei höheren Honoraren kommen eben mehr Freie in den Genuss der „Abfindung“. Das mag sich jeder merken, der heute noch für zu kleines Geld schreibt. Kleines Geld heute, das sind nicht nur die Minirenten der Zukunft, sondern die Minihonorare sind eben mit dem Risiko verbunden, später durchs Raster zu fallen und nichts zu erhalten. Und ein Bisschen ist immer besser als Nichts.
psch

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