Schlichterspruch: Vergütungsregeln Foto

Jahrelang hat der Streit gedauert zwischen den Gewerkschaften und den Zeitungsverlegern. Wie viel ist ein Foto wert, gedruckt auf Zeitungspapier in den verschiedensten Auflagen. Endlich im Frühjahr dieses Jahres wurde ein Schlichterspruch vorgelegt, dem auch die Gewerkschaften zugestimmt haben. Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke forderte: „Nun müssen die Zeitungsverleger die Fotohonorare in vielen Fällen nach oben anpassen. Wir erwarten, dass dies in den Verlagen auch entsprechend erfolgt. Die dem Schlichtungsergebnis entsprechenden Honorare stellen die allerunterste Honorargrenze dar.“

Und so hoch – oder eben niedrig – sollten die Honorare ab jetzt mindestens sein:

Foto- und Bildhonorare (ver.di / dju - BDZV)

Foto- und Bildhonorare (ver.di / dju – BDZV)

Das ist das Minimum. Besondere Bilder verlangen höhere Honorare – beispielsweise sollten Aufmacherfotos der ersten Zeitungsseite besser bezahlt sein, für mehrfach genutzte Fotos oder Fotomontagen gilt dies ebenso.

Wichtig ist: Höhere Honorare sind geschützt. Werden sie heute bereits gezahlt, bilden diese höheren Honorare den Maßstab für die Zukunft. Die Vergütungsregeln stellen nur die Untergrenze dar. Hoffentlich.

6 Gedanken zu „Schlichterspruch: Vergütungsregeln Foto

  1. Roland Geisheimer

    Liebe KollegInnen, das ist ein Witz. Bis heute hat mir niemand aus der dju – bis hin zum Bundesvorstand – die Frage beantworten können, wie von diesen jämmerlichen Honoraren eine Fotojournalist existieren kann. Die Honorare bedeuten Armut und zwar mit dem Segen der Gewerkschaften. Die Forderung nach einem Mindestlohn von 8,50 ist verlogen, wenn gleichzeitig so etwas zugestimmt wird.
    Dass es einen Bestandsschutz für besser Honorare gibt ist total realitätsfern. Diese jämmerlichen Honorare bieten genug Argumentationshilfe um von Seiten der Verlage die Honorare zu kürzen. Wenn man dem nicht zustimmt, ist man halt draussen. Erste Beispiele für Honorarkürzungen gibt es ja.
    Weite Argumente gibt es u. a. hier. http://www.freelens.com/freelens-und-vds-zu-den-neuen-verguetungsregeln

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  2. Christof Büttner

    Lieber Roland, deine Meinung ist natürlich zu akzeptieren und es gibt außer dir ja auch noch andere Kolleginnen und Kollegen, die so denken. Festzuhalten bleibt, dass eine deutliche Mehrheit für die Annahme des Schlichterspruchs gestimmt hat. Wie du weißt stimmen bei ver.di ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder ab. Hauptberufliche Funktionäre dürfen da nicht mitentscheiden. Im Vorfeld der Entscheidung wurde über das Thema lange diskutiert und nun hat sich eine Meinung durchgesetzt. Wir alle hätten uns mehr von dem Schlichterspruch erhofft und ich kann sehr gut verstehen, dass du enttäuscht bist, dass du dich mit deiner Meinung nicht durchgesetzt hast. Vielleicht freut es dich – trotz allen Ärgers – dass ich schon mehrfach positive Rückmeldungen von Kollegen erhalten habe. Beste Grüße
    Christof

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    1. Roland Geisheimer

      Hallo Christoph,
      Den Honoraren können nur Leute zugestimmt haben, die nicht wirklich mit Fotojournalismus ihre Brötchen verdienen müssen. Vermutlich eher Schreiber, die sich freuen jetzt für das Bild, dass sie zusätzlich mitbringen dürfen/müssen, nicht 8,75 sondern 27,50 € zu bekommen.
      Mit der Meinung konnte ich mich nicht durchsetzen, denn als in der M die Mitglieder dazu aufgerufen wurden über den Schlichtspruch zu diskutieren, war in den Gremien die Zustimmung längst beschlossene Sache. Das erfuhr man aber erst, als man im Mitgliedernetz die Diskussion dazu begann 🙁
      Viele Grüße
      Roland

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  3. Martini

    Hallo Christof,
    mag ja sein, dass bei der Abstimmung alles hübsch basisdemokratisch zugegangen ist – das ändert aber nix am miserablen Ergebnis. Und Deine Agumente können auch Rolands Vorhalte kaum entkräften, niemand bis zum dju-Bundesvorstand habe ihm bislang die Frage beantworten können, wie man davon leben solle. Woraus sich sein Hypokrasie-Vorwurf ableitet.
    Festhaltenswert finde ich daher an dieser Stelle die Tatsache, dass sich die Gewerkschaft – Deiner Rückmeldung an Roland zufolge auch noch offenbar ohne jedes Mängelbewusstsein – strukturell schlicht außerstande sieht, wirtschaftlich legitime Freieninteressen wirkungsam zu vertreten. Angesichts hoher Freienzahlen und entsprechender Anteile der Freienbeiträge in der Finanzierung der Gewerkschaften finde ich da einen “erfreulichen Verweis” auf auch positive Rückmeldungen höchst verräterisch, weil er nur zeigt, dass “schlimmer immer geht” (Ist das also Maßstab?), und nur ein “Schüppchen” drüber der Gewerkschaft schon reicht, um als Erfolg für die Freien “gefeiert” zu werden.
    Wenn das alles ist, was Hauptamtlichen als Entgegnung für mangelnde Begeisterung der Freien übrig haben, stellt sich für Freie doch zunehmend die Frage, ob man einen Presseausweis nicht auch woanders preiswerter erhalten könnte darauf im Zweifel nicht sogar verzichten kann – und damit auf die verdi-Mitgliedschaft.

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    1. Christof Büttner

      Lieber Roland, lieber Martini,
      den Honoraren haben Leute zugestimmt, die in die Tarifkommission gewählt wurden. Einen besseren Weg eine solche Entscheidung zu finden, kenne ich nicht. Wer schon mal auf einer ver.di-Mitgliederversammlung war, weiß, dass es durchaus möglich ist, in solche Gremien zu kommen. Die Verhandlungen zogen sich ja auch schon eine Weile hin. Man hat also wissen können, dass es zu einer Entscheidung kommen würde. Ich kann an einer solch basisdemokratischen Vorgehensweise nichts schlechtes entdecken.

      Ich kann nachvollziehen, dass die eingezogene Untergrenze für Honorare nicht alle als ausreichend empfinden. Auch ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht. Nach dem Lesen des Artikels habe ich übrigens nicht den Eindruck, dass wir das über die Maßen als Erfolg für die Freien “feiern” würden.

      Jetzt so zu tun, als seien das die neuen üblichen Honorare, ist nicht richtig. Wir haben ein Mindesthonorar vereinbart. Wir haben außerdem vereinbart, dass dort wo bisher höhere Honorare gezahlt werden, diese auch weiter gezahlt werden. Ich kenne ja einige von Rolands Werken. Dass man künftig solche Bilder für 27,50 € hergeben muss, halte ich für ausgeschlossen. Würde man einen solchen Effekt vermuten, dürfte man keinen Tarifvertrag abschließen. Schließlich gibt es immer Menschen, die (aus welchen Gründen auch immer) vor Abschluss eines solchen Vertrags mehr verdienen. Auch die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn wäre unter dieser Prämisse Unfug.

      Die Auftraggeber haben vor dieser Regelung alles Mögliche versucht um Honorare zu drücken und sie werden auch weiterhin alles Mögliche versuchen Honorare zu drücken. Nur jetzt gibt es eine Grenze nach unten.

      Übrigens hat auf Bundesebene der ver.di-Verhandlungsführer (!) auf die Mail von Roland geantwortet.

      Beste Grüße
      Christof

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  4. horstick-schmitt

    Die Höhe der Honorare ist schon immer ein Treppenwitz gewesen. Davon kann niemand leben. Erst recht nicht freie Journalisten. Wie denn auch? Dass Bilder manchmal unter wirklich erschwerten Bedingungen entstehen, davon will ich hier mal gar nicht reden. Aber Dank unserer digitalen Welt wird den Zeitungen ja eh nix anderes übrig bleiben, wenn sie überleben wollen. Zudem gibt es mittlerweile mehr als genug Fotografen, die sich Fotografen nennen, wo aber kein Fotograf drin ist. Da dieser Beruf nicht mal mehr geschützt ist, kann sich jeder Bildjournalist nennen. Das ist eine Tragödie.

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