Perspektiven: Vom Schreiben leben?

Eigentlich sollen vor Weihnachten ja nur gute Nachrichten verbreitet werden. Also fangen wir doch einfach mal damit an: Der Trend zum Journalismus ist ungebrochen. „Mal was mit Medien machen“ – das ist weiter gefragt.

Warum nur, fragt sich mensch. Denn seit Jahren stagnieren die Einkommen, es wird bei den Verlagen gespart auf Euro komm heraus. Die meisten Freien Journalisten leben von 2000 Euro oder weniger – nach der KSK-Statistik sind es etwas mehr als 1500 Euro. Andere Studien kommen auf mehr, dort sind es über 2.400 Euro. Aber: Dort wurden auch Fachjournalisten befragt, die Freien an Tages- und Anzeigenzeitungen kommen nicht vor. Und die kommen eben weit schlechter über die Runden als die Kolleginnen und Kollegen mit Fach-Expertise.

Warum also schreiben – und vom schreiben leben wollen? Klar, da sind die Überzeugungstäter, die den Journalismus im Blute haben und einfach davon leben wollen und letztlich auch müssen, weil sie sich mit keinem anderen Beruf anfreunden können. Hoffentlich geht’s gut … Und da sind die Freien, die mit dem Freien Dasein einfach den Schritt in die endgültige Arbeitslosigkeit vermeiden wollen. Oder weil einfach die Hoffnung zuletzt stirbt…

Hoffnung wird ja auch gemacht. Redaktionen werden geschrumpft, Freie sollen die Inhalte bringen. Die Organisationen stimmen zu: „Freie Mitarbeiter sind überall da wichtig, wo binnen kurzer Zeit und punktuell sehr viele Nachrichten anfallen, etwa bei Sportveranstaltungen am Wochenende“, so Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. Na toll: Die Realität wird bestätigt – viele Freie arbeiten nachts oder am Wochenende, ohne entsprechende tarifliche Zuschläge.

Dabei ist der Job als Freier oder Freie durchaus anspruchsvoller als der in den Redaktionen. Das darf der Freibrief ruhig behaupten. Kein entspanntes „mal schauen, was der Tag bringt“. Freie leben von der Kreativität, ständig Themen zu finden, und von der Fähigkeit, diese verkaufen zu können, neue Kundschaft zu finden. Sie müssen sich immer wieder vielen neuen Anforderungen stellen. Parallel werden die Etats knapp, Honorare finden sich teilweise so weit unten, dass man sich kaum danach bücken kann. Ok. – wer für Nachrichtenagenturen und Hörfunk- beziehungsweise Fernsehen arbeitet, hat aktuell noch bessere Verdienstmöglichkeiten.

Gegenüber dem Pressedienst epd-Medien spricht dju-Tarifsekretär Matthias von Fintel von einem Honorardumping gerade im Print-Bereich: „Es ist ganz schwierig für professionell arbeitende Freie Journalisten, bei Zeitungen dauerhaft ein Einkommen zu gewährleisten.“ Bei 15 und 19 Cent pro Zeile, wie sie vielleicht nicht branchenüblich, aber eben auch Realität sind, ist dies kein Wunder. Und auch die öffentlich-rechtlichen Medien sparen, die Tendenz ist somit klar.

Und wie geht’s weiter? Journalistik-Professor Kurt Weichler (Westfälische Hochschule Gelsenkirchen) schätzt: „In den vergangen Jahren hat es keinerlei positive Entwicklungen gegeben und es wird auch in Zukunft schwierig bleiben.“

Wo also sind die guten Nachrichten für 2014? Freie bleiben Thema, ohne Freie geht es nicht, Freie müssen Ihre Lobby-Arbeit stärken. Über prekäre Arbeitsverhältnisse zu reden, ist auch und gerade im Medienbereich wichtig, die Diskussion über den Mindestlohn muss ausgeweitet werden. Das kann nur eine starke Vertretung der Freien. Die kann mensch stärken – zum Beispiel über die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Klingt jetzt wie ein Werbeblock, ist auch einer. Denn leider helfen immer neue Untersuchungen nicht weiter, hier ist der Weg weg von der individuellen Problemlösung hin zur gesellschaftlichen Diskussion notwendig.

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