WDR Spar-Pläne: Freie fürchten um ihre Existenz

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk steht unter Beschuss. Vielfach wird ihm die Existenzberechtigung schlichtweg abgesprochen. Immer wieder geraten die Gebühren und nun die Haushaltsabgabe in die Schlagzeilen der Presse. Und nun kürzt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs kurz KEF erstmals die Mittel. Das löst bei ARD und ZDF eine Sparwelle aus, die sich auch im Programm niederschlägt.

Die Ankündigung der WDR-Geschäftsleitung, im nächsten Jahr eine Summe im zweistelligen Millionen-Bereich zu sparen, hat alle Mitarbeiter, feste und freie gleichermaßen, schwer verunsichert. Erstmals sollen auch Planstellen abgebaut werden. Beim WDR sollen es in den nächsten sechs Jahren 500 Stellen sein. Das soll allerdings vergleichsweise sozialverträglich passieren: Bis zum Jahr 2020 werden cirka 800 WDR-Mitarbeiter in Rente gehen und davon sollen 500 Stellen nicht nachbesetzt werden. Dennoch heißt das: Jede 10. Stelle wird gestrichen. Wer die Arbeit der ehemaligen Mitarbeiter erledigt, bleibt bislang allerdings unklar. Viele Angestellte fürchten deshalb weitere Arbeitsverdichtung.

Sparen im Programm

In einem zweiten Schritt hat Tom Buhrow nunmehr auch Sparmaßnahmen direkt am Programm angekündigt. So soll zum Beispiel der Hörfunk im nächsten Jahr alleine 6,5 Millionen weniger ausgeben. Und das bekommen die Freien dann unmittelbar zu spüren. Denn rund 80% des Hörfunk-Etats sind direkte Programm-Mittel, also Honorare. Wo und wie genau hier gekürzt werden soll, ist bislang unklar. Die neue Hörfunk-Direktorin Valerie Weber hält sich mit konkreten Angaben zurück. Der neue Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat dagegen auf der außerordentlichen Personalversammlung, die der Personalrat im Juni einberufen hat, ganz deutlich gesagt, wo er sparen will: „Kopfball“ und „Plasberg persönlich“ sollen künftig zum Beispiel wegfallen, den ARD-Ratgeber will der WDR nicht mehr beliefern, die Talk-Formate sollen reduziert werden und die Lokalzeit am Samstag soll nicht mehr aus allen 11 Studios separat kommen, sondern eine gemeinsame Weekend-Ausgabe werden.

Kein schlüssiges Konzept

Dennoch vermissen Kritiker ein abgestimmtes Sparkonzept. Sie sprechen vom Sparen mit dem Rasenmäher. Bei vielen Freien haben die Sparpläne regelrechte Existenzsorgen ausgelöst. Denn auch die Jahre davor hat der WDR bei den Honoraren bereits kräftig gespart und das haben viele Freie unmittelbar zu spüren bekommen. So sind zwar die Anforderungen in vielen Bereichen erheblich gestiegen, die Honorare dagegen nicht. Bei der Wort-Welle WDR 5 etwa gibt es schon seit Jahren nur noch ganz vereinzelte Honorar-Erhöhungen. Und wie ein Damoklesschwert schwebt über vielen Freien die bange Frage, ob ihr Bereich oder ihre Redaktion betroffen sein wird.

Freie Mitarbeit verändert

Einige Freie trifft es besonders hart. Und das hat viele Gründe. Denn anders als früher haben sich viele freie Mitarbeiter im WDR vergleichsweise fest an eine Redaktion gebunden. Das gilt ganz besonders im Bereich der regionalen Berichterstattung. Und anders als früher verdienen nur noch einige, wenige Freie „gutes Geld“ beim WDR. Bei vielen Freien sind die linearen Tarif-Erhöhungen seit Jahren nicht mehr angekommen, weil ihre Honorare über den vergleichsweise niedrigen Mindesthonoraren liegen. Nur auf diese Mindesthonorare muss der Sender die tarifierten Erhöhungen drauflegen. Rechnet man die Inflationsrate hinzu, ist der Einkommensverlust im Einzelfall erheblich. Deshalb ist es für Freie ganz besonders wichtig, dass die Spekulationen darüber, wo gespart werden soll bald ein Ende haben. Gerade Freie brauchen Gewissheit, um sich entsprechend umorientieren zu können.
Anja Arp

NevenDuMont: Kölsche Medienflaute

Ein Blick in die Lokalausgaben von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau für den Rhein-Sieg-Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis, den Rhein-Erft Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und für die Eifel fördert in diesen Tagen Erstaunliches zu Tage: Autoren, deren Berichte, Reportagen und Kommentare bislang nur in einem Lokalteil der beiden Titel zu finden waren, sind plötzlich mit identischen Beiträgen in beiden vermeintlich konkurrierenden Zeitungen zu finden. Zudem nähert sich auch das Layout der beiden in der jeweiligen Region erscheinenden Lokalausgaben immer stärker an: Gleiche Themenauswahl, identische Überschriften und eine nahezu gleichartige Bebilderung.

Die Angleichung der lokalen Berichterstattung ist das Ergebnis einer Redaktionsfusion, die die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalistinnen, aber auch die redaktionelle Vielfalt auf dem Zeitungsmarkt weiter beeinträchtigt. Seit 1. Juli werden die betroffenen Ausgaben nicht mehr von den jeweiligen Redaktionen von Heinen-Verlag und Verlag MDS mit redaktionellen Inhalten bestückt, sondern von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG), einer Tochtergesellschaft der beiden Verlage, die nicht tarifgebunden ist. In den fusionierten Redaktionen, in denen bislang mehr als 100 Redakteurinnen und Redakteure sowie zahlreiche so genannte Pauschalisten beider Titel arbeiteten, sollen Ende 2015 nur noch 67 redaktionelle Mitarbeiter beschäftigt sein. Bislang sind es mehr als 100.

Opfer der Fusion sind vor allem die freien Journalistinnen und Journalisten, auf deren Mitarbeit die RRG inzwischen verzichtet. Beim Kölner Stadt-Anzeiger haben inzwischen zahlreiche so genannte Pauschalisten, bei denen es sich eigentlich um scheinselbständige Redakteure handelt, mehr oder weniger freiwillig einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Zu welchen Bedingungen, wird im Kollegenkreis meist nicht bekannt, weil die Redaktionsleitungen die Betroffenen zum Stillschweigen aufgefordert haben. Ein Teil von ihnen wird noch bis zum Jahresende weiter bezahlt. Auf Wunsch können sie sich auch auf Kosten des Verlages durch eine Fortbildung für den problematischen Arbeitsmarkt der Branche fit machen lassen. Anderen Pauschalisten wurde eine freie Beschäftigung in einer anderen, ebenfalls outgesourcten und nicht tarifgebundenen MDS-Redaktion angeboten, in der Regeln zu schlechteren finanziellen Konditionen.

Harte Einschnitte müssen auch viele Freie verkraften, die nach Zeilenhonorar bezahlt werden. Ihr Auftragsvolumen schrumpft deutlich, da beide Zeitungstitel Termine ab sofort nur noch mit einem freien Mitarbeiter besetzen, der dann für beide Titel liefern muss. Zudem sind die Zeilen- und Fotohonorare der RRG weit von dem entfernt, was die gemeinsamen Vergütungsregeln für hauptberufliche freie Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen vorsehen – und das, obwohl ihre Beiträge inzwischen durch die Fusion in einer deutlich größeren Auflage verbreitet wird. Diese Form des Honorardumpings ist umso bemerkenswerter, als es sich bei den RRG-Eigentümern Helmut Heinen und Alfred Neven DuMont um zwei Spitzenvertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) handelt, die die Vergütungsregeln mit der dju in ver.di und dem DJV als verbindlich vereinbart haben.
pdh

Perspektive Online: Nur wenige können verdienen

Hier geht es rauf, da geht es runter – im Online-Geschäft ist das Brot nur schwierig zu verdienen. Vielleicht zeigen die Krautreporter, dass es doch geht.

Ehrlich gesagt, ich hätte und habe nicht unterschrieben. Die Krautreporter haben online versucht, ein neues Internet-Magazin zu finanzieren. Und sie haben es geschafft, statt der benötigten ersten15.000 Unterstützer fanden sich bis Redaktionsschluss 17.567 Menschen, die das Projekt mit monatlich 5 Euro unterstützen. Ich war nicht dabei, weil ich als Freier nicht wirklich viel Geld übrig habe und mich die Argumente im Video nicht wirklich überzeugt haben. Wer hier mehr sehen will: www.krautreporter.de

Aber sie haben es geschafft – vielleicht künftig eines der wenigen Online-Angebote, das echte Autorenleistung für faires Geld bietet und gleichzeitig faire Honorare zahlen kann. Ab September werden wir es alle überprüfen können, wenn wir denn wollen.

Andernorts genau das Gegenteil: Der Heddenheim-Blog macht Pause, seit Monaten schon. Auch er ruft seine Leserinnen und Leser auf, Geld zu spenden, um das Projekt weiter machen zu können. Doch offensichtlich hält die lesende Kundschaft das Portemonnaie eher geschlossen, der Blog ruht vor sich hin.

Nun denn, es gibt Journalisten, die bloggen fleißig vor sich hin – seien es der bekannte Medianjournalist Stefan Niggemeier oder auch der der Blog Lousy Pennies (wir berichteten bereits darüber), der über die Perspektiven im Netz informiert. Der hat immerhin noch mal rumgefragt, wie denn so die Einnahme-Perspektiven sind. Die Grundgesamtheit ist mit stark 50 Antworten zwar bescheiden, einige Rückschlüsse lassen sich jedoch ziehen. So errechnet sich zwar ein durchschnittlicher Monatsverdienst der Blogger von rund 1.300 Euro – aber gleichzeitig ist die Verdienstschere enorm groß. Mancher verdient nichts, andere mehrere tausend …

Entscheidend ist sicherlich, ob man bereits über ein gutes Netzwerk verfügt und ob man die Seite in der jeweiligen Branche bekannt machen kann. Dabei, auch dies ein Ergebnis der Umfrage, macht man sich unter Umständen abhängig von Google, der amerikanischen Datenkrake. Blogger dürfen also in Sachen Datenschutz nicht zu zart besaitet sein. Wer es ohne machen will, braucht schlicht Sponsoren, wie sie die Krautreporter gefunden haben.

Aber es gilt generell: Auch wenn sich online etwas entwickelt – zum Überleben reicht es bei den Wenigsten. Denn schon die, die sich an der Umfrage beteiligten, dürften zu den Versierteren gehören. Ohne Geld aus einer anderen Quelle geht es nicht. Aber es lohnt sich für immer mehr Journalistinnen und Journalisten, nach alternativen Einnahmequellen zu schauen. Dies belegen schon die Spardiskussionen in den klassischen Medien. Denn wird das Umfeld härter, dann braucht es Kreativität und neue Ideen.
psch

Nachgedacht: Immer wieder sparen

Derzeit tobt die Aufregung – verständlich und teilweise zu Recht. Denn es wird gespart, in der Region besonders beim WDR, beim DeutschlandRadio und auch beim Neven-DuMont-Verlag. Die Angst geht um. Es geht um Aufträge, es geht um journalistische Qualität.

Dabei sind die Sparvorschläge schon differenziert zu sehen. In den Printmedien geht es um die Existenz, ja, um die Existenz der Freien, die sowieso schon viel zu wenig verdienen. Pauschalisten mussten gehen, müssen sich neue Aufgabenfelder suchen. Da geht es schon lange nicht mehr um Qualitätsjournalismus, da herrscht die schiere Not. Redaktionelle Mitarbeiter haben schon lange nicht mehr die Zeit, in Themen wirklich einzusteigen, sich Fachwissen anzueignen, Termine so lange zu besuchen, dass auch wirklich Fachkenntnis überkommt. Das ist dem ökonomischen Zwang geschuldet, führt aber auch dazu, dass sich erste Veranstalter bereits eine lokale Printberichterstattung verbieten. Zu schlecht ist das, was da heraus kommt. Da stellen sich Zeitungen ins Abseits, graben sich gezielt ihr eigenes Grab, statt nach neuen Wegen in die Printzukunft zu suchen. Böse formuliert: Perspektiven für Freie werden hier immer schlechter – die Zeiten des Schülerzeitungs-Journalismus kommen zurück. Weiterlesen

VG Bild-Kunst – Stimmen übertragen!

Im Kampf für gerechte und angemessene Vergütungen für Urheber/innen und Leistungsschutzberechtigte sind die Verwertungsgesellschaften besonders wichtig. Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst lädt für den 28. Juni zu den Berufsgruppenversammlungen und die diesjährige Mitgliederversammlung ein – die Gremien haben in diesem Jahr einige Satzungsänderungen und Änderungen der Verteilungspläne auf der Agenda. Weiterlesen