Neue Geschäftsmodelle: Internet als Berufsperspektive

Ehrlich gesagt, großes Vertrauen habe ich nicht, dass man im Online-Business als Journalist lukrative Geschäftsmodelle findet. Für den einen oder anderen reicht es vielleicht, aber bei den meisten bleibt nicht viel übrig. Dachte ich. Und dann stieß ich auf das Internet-Portal lousypennies.de – übersetzt so viel „lausige Cents“. Und fand doch tatsächlich Beispiele mutiger Kollegen, die sich ins Online-Geschäfts stürzen.
Mit mehr oder weniger großem Erfolg. So resümiert der Medienexperte Thomas Koch (u.a. Kolumnist bei der WirtschaftsWoche): „Es ist aber ein langes Tal der Tränen, durch das viele Journalisten gehen müssen.“ Und heraus kämen viele erst, wenn sie gelernt haben, wie man sich in den neuen Medien etabliert. Das geht dann so: „Indem Sie zur Marke werden und so Ihren Marktwert steigern. Im Internet werden jeden Tag neue Marken geboren. Da müssen Sie dabei sein.“ Eine extreme Ansicht, sicherlich. Aber ganz unberechtigt ist sie nicht. Denn in den digitalen Medien steckt Bewegung drin. Und auf die Frage, was denn ein Journalist, eine Journalistin, schaffen müsse, antwortet Koch: ”Er muss dafür sorgen, dass er am Markt gehört wird. Das geht wieder nur über Qualität. Über kurz oder lang wird es möglich sein, damit Geld zu verdienen. Aber es ist sehr mühsam. Der Witz ist aber: Wenn Nachfrage erzeugt wird, steigert das den Preis. Je bekannter man ist, umso besser kann man sich selbst vermarkten. Ich habe den festen Glauben, dass man durch Qualität und Nachfrage den Preis steigern kann. Allerdings sprechen wir hier immer noch von Lousy Pennies.“ Übersetzt: Stinkend reich wird man davon also nicht, aber seiner Ansicht nach kann man sich einen Markt schaffen, der einen ernähren kann.

Wie es geht, mit einem eigenen Blog beispielsweise Geld im Netzgeschäft zu verdienen, dafür gibt Stephan Goldmann (Beitrag vom 5. Februar 2013) Tipps. Und dass dies funktioniert, beschreibt unter anderem Franz Neumeier, ehemals unter anderem Chefredakteur des Internet-Magazins im WEKA-Verlag. Er betreibt unter cruisetricks.de eine eigene Internetpräsenz, die heute rund 60 Prozent seines Einkommens erwirtschaftet. Oder Martin Goldmann, der ehemals Tipps und Tricks für Computernutzer formulierte und an Verlage verkaufte. Heute macht er mit einem Kollegen tippscout.de – und damit können zwei Familien ernährt werden. Auch Stefan Sichermann hat im Netz seine Zukunft gefunden. Er lebt vom Satire-Magazin „Der Postillion“.

Aber es gibt die dokumentierten Fälle engagierter JournalistInnen, die es nicht schaffen, zu bescheidenen Reichtümern zu kommen. Wie Stefan Aigner, Macher von Regensburg digital. Seit 2008 betreibt er diese regionale – nennen wir es mal – digitale Zeitung, kritisch und engagiert. So, wie man sich Journalismus eben vorstellt. Doch engagierter Digital-Journalismus, der übrigens gegen Rechts klare Kante zeigt, ist nicht immer lukrativ, weiß auch Stefan Aigner: „Vielleicht werde ich mal in Schönheit sterben.“

Wer mehr lesen und lernen will: www.lousypennies.de – vielleicht eine Seite, die Perspektiven verschafft. Auf jeden Fall eine, die sich ernsthaft mit den Möglichkeiten im Netz auseinandersetzt.
psch

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