Nachgedacht: Immer wieder sparen

Derzeit tobt die Aufregung – verständlich und teilweise zu Recht. Denn es wird gespart, in der Region besonders beim WDR, beim DeutschlandRadio und auch beim Neven-DuMont-Verlag. Die Angst geht um. Es geht um Aufträge, es geht um journalistische Qualität.

Dabei sind die Sparvorschläge schon differenziert zu sehen. In den Printmedien geht es um die Existenz, ja, um die Existenz der Freien, die sowieso schon viel zu wenig verdienen. Pauschalisten mussten gehen, müssen sich neue Aufgabenfelder suchen. Da geht es schon lange nicht mehr um Qualitätsjournalismus, da herrscht die schiere Not. Redaktionelle Mitarbeiter haben schon lange nicht mehr die Zeit, in Themen wirklich einzusteigen, sich Fachwissen anzueignen, Termine so lange zu besuchen, dass auch wirklich Fachkenntnis überkommt. Das ist dem ökonomischen Zwang geschuldet, führt aber auch dazu, dass sich erste Veranstalter bereits eine lokale Printberichterstattung verbieten. Zu schlecht ist das, was da heraus kommt. Da stellen sich Zeitungen ins Abseits, graben sich gezielt ihr eigenes Grab, statt nach neuen Wegen in die Printzukunft zu suchen. Böse formuliert: Perspektiven für Freie werden hier immer schlechter – die Zeiten des Schülerzeitungs-Journalismus kommen zurück.

Etwas anders die Situation im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auch da sitzen zwar die Hierarchen viel zu oft dem Vorurteil auf, beim WDR beispielsweise würden die Freien genug oder gar viel verdienen. Auch wenn man im ARD-Vergleich vielleicht noch recht gut da steht, gilt: Vielfach wurden die realen Honorare seit Jahren und Jahrzehnten nicht angehoben. Was früher mal üppig war, reicht heute gerade noch für bürgerliche Hausmannskost – in der Küche und bei der journalistischen Arbeit. Aber dort stehen Mindesthonorare im Honorarrahmen, die kann man durchsetzen und ist damit im Gegensatz zu den Printfreien ein wenig abgesichert. Wenn auch auf niedrigem Niveau.

Bekannt ist: Beim WDR sollen die Redaktionsetats um etwa zehn Prozent reduziert werden. Klug sind die Redaktionen, die jetzt Konzepte ersinnen, die Honorare auf dem bekannten Niveau zu halten und die zehn Prozent anders einzusparen. Darunter leidet dann vielleicht das Programm, weil es mehr Wiederholungen gibt. Aber die Arbeit der Freien wird gleich gut oder gleich schlecht bezahlt. Es gibt halt nur weniger, dann werden tatsächlich zehn Prozent weniger Aufträge vergeben. Das aber ist allemal besser als fürs gleiche Geld mehr zu arbeiten – dann lieber andernorts neue Aufträge organisieren.

Was allerdings wirklich ärgert: Es gibt immer noch Bereiche, die vom Sparen ausgeschlossen sind. Fußball zum Beispiel. Da werden weiterhin enorme Gebührengelder gezahlt, so werden Millionäre gemacht. Nicht, dass ich Draxler und Co die Millionen neide – nur frage ich, ob dafür öffentliche Gebührengelder her müssen, die dem fundierten Journalismus fehlen. Sport sei die Brücke zur Jugend, heißt es dann auch von Intendant Tom Buhrow. Stimmt, da schalten alle ein – aber welchen Preis zahlen wir alle dafür? Der Preis ist hoch, sehr hoch – ja, sogar zu hoch. Wir brauchen das Geld für Recherche, für Beiträge, für ein gutes alltägliches Programm. Darum Tom Buhrow, reiß das Steuer herum, bring die Liebe mit für jeden Sendeplatz!

Meint

Peter Schmidt

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