Künstlersozialkasse – Die Basics

Seit Jahrzehnten hat sich eigentlich am Prinzip der Künstlersozialkasse nichts geändert. Insofern ist dies ein Beitrag weniger für alte Hasen denn für Einsteiger in den Beruf – denn ohne die KSK sähe es bei der Sozialversicherung schwierig aus für viele Medienschaffende.

Die Grundlage: Die Künstlersozialkasse ist die PFLICHTversicherung für Journalisten und Mäler, für Schauspieler und Musikanten jedweder Art. Sie alle gehören rein – berühmte Tatort-Kommissare (so sie als freischaffende Schauspieler arbeiten) ebenso wie der Bildhauer aus Solingen, der Buchautor aus Bielefeld und all die anderen. Bedingung: Sie üben die künstlerische Tätigkeit nicht als Hobby aus, sondern wollen davon leben.

Manch ein berufseinsteigender Journalist oder eine ebensolche Journalistin oder andere Medienschaffende überlegen so einiges – und sitzen immer noch der Fehlmeinung auf, dass sie sich als Selbstständige privat versichern müssen. Das ist in den meisten Fällen falsch.

Und teuer. Denn die Künstlersozialkasse ist sozialversicherungsrechtlich so etwas wie ein Arbeitgeber. Mit dem Künstlersozialversicherungsgesetz wurde ein Konstrukt geschaffen, dass freiberufliche Künstler zumindest in diesem Fall Angestellten gleichstellt. Denn die KSK zahlt den Arbeitgeber-Anteil für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Die darüber Versicherten zahlen entsprechend den Arbeitnehmeranteil, erhalten also quasi „reduzierte“ Beiträge. Darum ist die Mitgliedschaft in der KSK auch finanziell sinnvoll.

Nun muss man nur noch reinkommen. Da nimmt die KSK neue Mitglieder erst nach gründlicher Prüfung auf. Denn zu viele wollen und wollten die Vorteile nutzen, obwohl sie gar nicht in den Kreis der Berechtigten gehören. Um aufgenommen zu werden, gilt es, einen Fragebogen auszufüllen. Und zwar einen mehrseitigen. Die zentralen Punkte dabei sind:

  • die richtige Darstellung des Tätigkeitsfeldes. Denn die KSK nimmt wie bereits geschrieben nur künstlerisch Aktive auf – also Wortakrobaten (Autoren und Journalistinnen), Schauspieler etc.. Wer sich da im Wort vergreift, kann die Aufnahme riskieren und muss ein entsprechendes Beschwerdeverfahren durchmachen. Muss ja nicht sein – also besser früh genug aufpassen.
  • Die Frage nach der Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit. Klar, Freiberufler haben sich meist schon Jahre auf den Einstieg in den Job durch – hobbymäßige – Mitarbeit vorbereitet. Wer den Einstiegstermin nach vorn verlegt, muss mit Nachzahlungsaufforderungen rechnen.
  • Die Frage nach den Belegen für die Tätigkeit. Gräbt man engagiert nach Belegen aus der Vergangenheit, auch dann kann eine Rückversicherung möglich sein.

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Ein Blick in die Mottenkiste

Vor etwas mehr als 30 Jahren, im Januar 1983, nahm die KSK ihre Tätigkeit auf. Dass dies gelang, war grundsätzlich das Verdienst weniger, die die Chancen in der sozialliberalen Koalition nutzen. Denn damals zeigte die FDP unter Genscher ein Herz für Künstler und stimmte zu, was sich Dieter Lattmann und Horst Ehrenberg ausgedacht hatten. Lattmann ist Schriftsteller und saß 1972 bis 1980 im Bundestag. Er leistete die Vorarbeiten für das Künstlersozialversicherungsgesetz, das 1981 verabschiedet wurde. Der Münchner ist Mitglied des PEN-Zentrums und kannte aus eigener Erfahrung die Nöte der freien Künstler auch und besonders im Alter. Gemeinsam mit ihm setzte sich für die Künstler der bis 1982 aktive Arbeitsminister Horst Ehrenberg ein. Diese beiden SPD-Politiker initiierten und gestalteten das Künstersozialversicherungsgesetz im Rahmen der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt.

Wer es denn erfolgreich geschafft hat, in die KSK aufgenommen zu werden, der soll alsbald sein – künftiges – Einkommen kalkulieren. Auf Basis dieser Kalkulation wird dann der Versicherungsbeitrag errechnet.

Übrigens: Im Bereich der Kranken- und Pflegekasse haben die Antragsteller die Wahl. Wer sich eine private Krankenkasse aussucht, trägt das Beitragsrisiko – steigt also der Beitrag höher als der Beitrag der gesetzlichen Kassen, reduziert die KSK ihre prozentualen Zuschuss. Bei den gesetzlichen Kassen bleibt der Zuschuss immer gleich.

Ein paar Zahlen

Die KSK ist durchaus ein Erfolgsmodell. 1991 waren dort gerade mal stark 40.000 Menschen versichert, heute nähert sich die Kasse den 180.000. Die darstellende Kunst stellt immer den kleinsten Anteil, die bildende Kunst den größten, Musik und Wort halten das Mittelfeld. Aktuell sind von den stark 177.000 Mitgliedern 23.140 der darstellenden Kunst zugeordnet, 62.001 der bildenden Kunst, 43.222 dem Bereich Wort und 48.856 der Musik.

Bezahlt werden die notwendigen Beiträge zur Hälfte von den Versicherten über die Beiträge, zu 30 Prozent von den Verwertern (Künstlersozialabgabe) und zu 20 Prozent vom Bund, der zusätzlich noch die Verwaltungskosten der Kasse übernimmt.

Wie wichtig die KSK für die Künstlerinnen und Künstler ist, zeigt auch ein Blick auf die Einkommen, mit denen die Versicherten im Schnitt (Berufsanfänger und alte Hasen) auskommen müssen. Da sind die Wortjournalisten mit einem Durchschnitteinkommen von stark 18.000 Euro noch recht gut gestellt, bei den bildenden Künstlern sind es rund 14.000 Euro, bei den Versicherten des Bereichs Musik gerade mal 12.000 Euro, die darstellenden Künstler nähern sich immerhin den 14.000 – und damit dem Durchschnitt aller von 14.557 Euro. Auch wenn da ein paar Ungenauigkeiten drin sind, klar ist: Viel verdient wird mit der Kunst nicht. Und wer immer unkt, da würde nur gelogen und betrogen: Das ist falsch, denn es wird regelmäßig überprüft...

psch

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