Kommentar: Arme Freie – arme Meinungsvielfalt

Meinungsfreiheit – Meinungsvielfalt – dies ist die Basis für eine funktionierende Demokratie. Und dies sollte die Basis sein für die Medienlandschaft in Deutschland. Eigentlich. Doch immer mehr fragen sich, ob die Medien ihre grundgesetzlich eingerichtete Wächterfunktion noch erfüllen können.
Da werden Redaktionen dicht gemacht – NRW-Verlage übernehmen da gerade unrühmliche Vorreiter-Rollen. Meinungsvielfalt stirbt auf dem Lande und in den Städten, Einzeitungsgebiete machen arm im Kopfe. Und gleichermaßen geht es den Freien Autorinnen und Autoren immer weiter an den finanziellen Kragen. Doch seien wir mal ehrlich, die Festangestellten in den Redaktionen von Print, Hörfunk, Fernsehen und Internet könnten doch ohne all die Freien ihre Medien gar nicht mehr füllen. Das ist unter Medienschaffenden eine Binsenweisheit. Statt sich aber darum zu kümmern, dass die Freien mit fairen Honoraren ein Einkommen erzielen können, von dem mensch leben kann, wird gedrückt oder seit Jahrzehnten immer der ähnlich miese Tarif gezahlt. Das ist im Printbereich so (zu wenige Ausnahmen ausgenommen), bei Internet, Hörfunk und Fernsehen. Und selbst der ehemals auskömmlich zahlende Arbeitgeber WDR muss sparen, da die Einnahmen weniger sprudeln. Und weil Freie „Sachkosten“ sind, geht da der Rotstift nicht vorbei. O.k., das ist Jammern auf höherem Niveau – und schon mal gibt es eine Tariferhöhung, die alle bitter nötig brauchen können. Doch in der Gesamtbilanz gilt auch hier: Seit Jahren mehr Arbeit für vergleichsweise weniger Geld.
Die goldenen Zeiten sind vorbei. Überall. Das mag man betrauern, gefährlich aber wird es, wenn die Einkommen wie jetzt so knapp sind, dass sie zum Leben nicht mehr genügen. Stundensätze von 5 Euro und weniger sind Realität, die Diskussion um den Mindestlohn geht an den Freien vorbei. Doch die Freien sind – eigentlich – die Garanten für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt. Redakteure können sie nicht ersetzen, dafür sind die Redaktionen mittlerweile zu klein geschrumpft worden.
Übrigens: Mit der „Stiftung Vielfalt und Partizipation“ will die NRW-Regierung Journalismus fördern – die Ausbildung beispielsweise, vielleicht gibt es eine Professur für Lokaljournalismus und anderes mehr. Doch geht es wirklich darum? Wichtiger wäre es, die Einkommensmöglichkeiten zu verbessern und damit die Meinungsfreiheit und –vielfalt zu stärken, statt immer wieder neue Journalisten auszubilden, die dann zum Künstlerproletariat NRWs gehören werden.
psch

Ein Gedanke zu „Kommentar: Arme Freie – arme Meinungsvielfalt

  1. Sigrid Schulz

    Ich kann dem nur voll und ganz zustimmen.

    Nur die Anwesenheit von freien Journalisten kann die Meinungsvielfalt sichern!

    Antworten

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