Gute Abschlüsse für Freie in WDR und Deutschlandradio

Unerwartet schnell waren in diesem Jahr die Tarifabschlüsse beim größten Sender der ARD, dem Westdeutschen Rundfunk, und beim kleineren Kölner Sender, dem Deutschlandradio, unter Dach und Fach. Mit einem Gesamtvolumen von 5,6 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten konnten die Ziele der Tarifkommissionen für feste und für freie Mitarbeiter mit Abstrichen erreicht werden. Jeweils zwei Verhandlungsrunden waren bei WDR und Deutschlandradio notwendig, um Ergebnisse zu erreichen.

Wie schon in den Jahren zuvor hat ver.di fristgerecht in allen ARD-Anstalten, beim ZDF und beim Deutschlandradio zeitgleich die auslaufenden Tarifverträge gekündigt. Das langfristige Ziel hinter dieser Strategie: Synchronisierte Tariflaufzeiten in allen Sendern, um mit möglichst großer Durchsetzungskraft einheitliche Abschlüsse zu erreichen. Zum 31. März waren somit die meisten Anstalten in tariflosem Zustand; allerdings war der WDR erst Ende April zu Verhandlungen bereit.

In der ersten Runde spielte der WDR offensichtlich auf Zeit. Statt über Prozente wollte Verwaltungsdirektor Färber lieber über alle möglichen anderen Tarifthemen diskutieren. Erst in der zweiten Runde am 14. Mai ging es dann zur Sache. Verhandelt wurden: Für die angestellten KollegInnen gibt es zum 1.4.2013 exakt 1,5 Prozent sowie 50 Euro Sockel auf jedes Gehalt als soziale Komponente. Der Abschluss für Freie in der ersten Stufe ist im Volumen zwar gleich, sieht aber etwas anders aus: Für sie tritt der Tarifvertrag erst zum 1.7.2013 in Kraft, weil der WDR für die Berechnung der neuen Honorare Zeit benötigt. Auf die Mindesthonorare müssen ab dem ersten Juli 1,5 Prozent mehr gezahlt werden. Da bei vielen Freien von dieser linearen Erhöhung nichts ankommt, haben wir uns entschieden, das was bei den Festen den Sockel ausmacht, bei den Freien als Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro umzusetzen. In der zweiten Stufe bekommen Feste und Freie ab dem 1. April 2014 dann 2,95 Prozent mehr. Für Freie gibt es zusätzlich erneut eine Einmalzahlung von 200 Euro. Anspruch auf die Einmalzahlung haben alle sogenannten 12a-Freie, also die arbeitnehmerähnlichen Mitarbeiter. Das sind alle Freien, die in 2012 oder 2013 vom WDR Haupturlaubsgeld bekommen und in diesem Jahr mindestens einen Arbeitstag beim WDR hatten.

Und noch ein wichtiges Ziel konnten wir für junge Angestellte beim WDR erzielen: Alle Mitarbeiter beim WDR – egal ob fest oder frei – haben jetzt Anspruch auf 31 Urlaubstage.

Das gilt auch fürs Deutschlandradio. Freie unter vierzig bekamen bislang einen Tag weniger. Rückwirkend ab 2012 wurde der Urlaub auf einheitlich 31 Tage gesetzt. Wer im letzten Jahr nur 30 Tage bezahlt bekam, dem wird ein Tag automatisch nacherstattet.

Was die Prozente angeht, wurde bei Deutschlandradio im Detail etwas anders verhandelt – im Volumen aber gleich. Grundsätzlich wurde für die Freien rausgeholt: 2,65 Prozent mehr ab dem 1.7.2014 und noch einmal 2,95 Prozent mehr ab dem 1.4.2014. Da bei Deutschlandradio kein Sockel vereinbart wurde, konnte eine Einmalzahlung in Höhe von 317 Euro nur für die entgangenen Monate bis zum 1.7. ausgehandelt werden. Sie wird im Laufe des Juli 2013 an alle Freien ausbezahlt, die im letzten Jahr Haupt-Urlaubsgeld von Deutschlandradio bekommen haben. Da fast alle Tarifhonorare Festhonorare sind, kommen die Erhöhungen auch tatsächlich an. Außerdem hat sich das Haus bereit erklärt, auch alle außertariflichen Honorare zu erhöhen, sofern sie an arbeitnehmerähnliche Freie gezahlt werden. Davon ausgenommen sind allerdings Besitzstandshonorare, die bei der Umstellung des Honorarrahmens 2001 ausgemacht wurden und die das Haus konsequent durch Nichtanhebung auf das Tarifniveau absenken will.

Insgesamt war diese Tarifrunde kurz und vergleichsweise erfolgreich, weil beide Sender angesichts vieler anderer Probleme wenigstens an der Tariffront Ruhe haben wollten.

Anja Arp

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