DeutschlandRadio Kultur: Wenn keiner weiß, wie es weiter geht

In Berlin wird gespart – allerdings so, dass keiner wirklich weiß, wie es weiter geht. Ein Beispiel dafür, wie sparen alle verunsichert, die sparen sollen.

Eine Kollegin hat´s mir erzählt. Eine Kollegin, die regelmäßig für die Berliner Redaktionen arbeitet. Die fest angestellten Kollegen seien völlig verunsichert. Manch’ einer kann keine Aufträge vergeben, weiß er oder sie noch nicht, wann welche Sendungen mit wieviel Geld bespielt werden können.

Der Hintergrund: Bevor es Ende Juni zur Programmreform kam, ein neues Programm auf Sendung ging, hatten 1,5 Jahre Arbeitsgruppen getagt, wurden Ideen geboren und verworfen, wie man dem DeutschlandRadio Kultur Profil einerseits und Sparsamkeit andererseits verschaffen könnte. Beteiligt waren fast alle Ebenen, die auch Programm machen. Dazu gab es auch gehörigen Zwist.

Das Ergebnis – so hört man – ignoriert die Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Gestrichen ist das Radiofeuilleton, aus Ortszeit wird Studio 9, Kultur, die beliebte Nachtsendung 2244 ist ebenfalls aus dem Programmschema verschwunden – und Politikredaktion werden zusammen geschmissen

Im Haus scheint einiges schief gelaufen zu sein. Die taz berichtet ausführlich über die Reform und schreibt unter anderem: „Ein wenige Tage altes Schreiben von Vertretern des Redakteursausschusses gibt einen Einblick, wie viel Druck im Kessel ist. Die wenigen Zeilen klingen nach Anklage und Hilfeschrei. Unter der unverfänglichen Überschrift „Das Personal-Karussell dreht sich” ist von der “Verfügungsmasse Mensch” die Rede. Stellen würden viel zu spät besetzt, freie Mitarbeiter hätten bald keine Einkünfte mehr. “Es gibt Existenzängste, Tränen, Hilflosigkeit, Frust – und viele Fragen.” Und je nachdem, wen man frage, stünden 50 bis 100 Freie bald vor dem Nichts.
Nun wäre es schön, wenn es am Rhein besser klappt als an der Spree. Doch auch hier scheint eher der Rasenmäher am Werke als ein schlüssiges Konzept. Das, Transparenz, Ehrlichkeit und ein faires Miteinander auch während des Reformprozesses, bei dem man auch die Freien mit ihren Sachzwängen ehrlich ernst nimmt, das ist notwendig. Damit der Kessel nicht überkocht wie der Berliner Kessel Buntes.
psch

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