Datenklau: Spionage und mehr

Wie steht es um die Verschlüsselung unserer Daten – diese Fragen stellen sich aktuell immer mehr Journalistinnen und Journalisten. Klar, Verschlüsselung funktioniert – wie sie funktioniert, dazu mehr im nächsten Freibrief. Doch wie stehen überhaupt die Chancen, im Netz oder beim Telefonieren unentdeckt zu bleiben?

Grundsätzliche Überlegungen zum Thema jetzt von Peter Schmidt

Verschlüsselte Daten – egal, ob Mails oder Telefonate – sind in der Minderzahl. So stellt sich alsbald die Frage: Fällt solcher Kommunikationsverkehr nicht erst recht auf? Versteckt man sich nicht besser wie die Nadel im Heuhaufen unter den vielen unscheinbaren Mails? Sicherlich auch eine Variante. Vergleicht man es mit dem richtigen Leben, dann fällt der Kriminelle dann am wenigsten auf, wenn er mit dem Strom der Menschen durch die Einkaufsstraße flaniert.

Und doch, es gibt sensible Daten und sensible Recherchen – da will man sicher sein, zumindest so sicher wie möglich. Aber ehrlich, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Damen und Herren der großen Spionage-Institutionen uns über sind und – wenn sie wollen – die Daten schon aus unseren Mails heraushacken, wenn sie uns einmal auf dem Kieker haben.

Irgendwie sind Orwellsche Phantasien eingetreten, es ist eine Illusion, zu glauben, man könne der digitalen Überwachung ausweichen. Haben wir 1987 noch – erfolgreich – gegen die Volkszählung gearbeitet (zumindest die Älteren unter uns), so sind dies nun wirklich Erfolge von gestern. Und – schauen wir uns doch mal um – das Beben fehlt, als die bislang nur erahnten Überwachungsmethoden verifiziert wurden.

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Schaut man sich reale Handlungsmöglichkeiten an, dann stellen wir fest, dass sich auf politischer Ebene wenig tut. Vielleicht mal ein Aufschrei, vielleicht der Versuch von internationalen Abkommen – aber wer glaubt denn, dass sich die Spionage-Helden da wirklich dran halten? Ich nicht – und die Regierenden trauen sich ja auch nicht ran, die entsprechenden Institutionen abzuschaffen. Geht ja schließlich um Geld.

Aber vielleicht geht es anders. Individuell: weniger digital als real. Statt Mails und Telefonate vielleicht mal wieder richtige Treffen. Mitschriften, die man am PC in wohlgesetzte Worte formt. Das ist aufwändig. Ein wenig wie früher, wo man sich noch Vor-Ort-Recherchen leistete. Es spricht ja nichts dagegen, die Vorteile des digitalen Zeitalters zu nutzen – Datensticks durch die Gegend zu tragen oder schicken, warum nicht.

Übrigens: Auch die Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, werden doch beispielsweise gezielt deutsche Unternehmen ausgehorcht, wenn sie mit US-amerikanischen auf dem Weltmarkt konkurrieren. Vielleicht fällt denen ja auch etwas ein, wir könnten dann voneinander lernen.

Heute aber wissen wir, wie aggressiv und ohne Anerkenntnis internationaler Feind- und Freundschaft aus den USA heraus weltweit spioniert wurde. Man möge mir den alten Begriff verzeihen (ich dachte eigentlich, er wäre überlebt) – aber auch das ist klassischer Imperialismus, der Griff nach der Weltherrschaft. Da mögen andere Nationen fleißig mitspielen, die gesamte Situation zeigt: Moderne Kriege finden im Netz statt. Um dem Krieg die Bedeutung zu nehmen, muss man dem Netz die Bedeutung nehmen – klingt utopisch, aber ist vielleicht ein Gedankenansatz. Und bis dahin gilt: „Ami go home“ – oder wer immer uns an die Daten will. Leider nur sind die alten Feindbilder in der modernen Welt schwieriger zu realisieren. Doch offensichtlich hilft es doch, wenn US-Unternehmen die Dollars wegschwimmen – der Vorstoß einiger US-Unternehmen für mehr digitale Sicherheit sind ein Beleg dafür. Also lasst uns erfindungsreich den Unternehmen Druck machen, vielleicht wird eine Kampagne draus und peu à peu eine Bewegung.

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