Archiv der Kategorie: Tageszeitungen

NevenDuMont: Kölsche Medienflaute

Ein Blick in die Lokalausgaben von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau für den Rhein-Sieg-Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis, den Rhein-Erft Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und für die Eifel fördert in diesen Tagen Erstaunliches zu Tage: Autoren, deren Berichte, Reportagen und Kommentare bislang nur in einem Lokalteil der beiden Titel zu finden waren, sind plötzlich mit identischen Beiträgen in beiden vermeintlich konkurrierenden Zeitungen zu finden. Zudem nähert sich auch das Layout der beiden in der jeweiligen Region erscheinenden Lokalausgaben immer stärker an: Gleiche Themenauswahl, identische Überschriften und eine nahezu gleichartige Bebilderung.

Die Angleichung der lokalen Berichterstattung ist das Ergebnis einer Redaktionsfusion, die die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalistinnen, aber auch die redaktionelle Vielfalt auf dem Zeitungsmarkt weiter beeinträchtigt. Seit 1. Juli werden die betroffenen Ausgaben nicht mehr von den jeweiligen Redaktionen von Heinen-Verlag und Verlag MDS mit redaktionellen Inhalten bestückt, sondern von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG), einer Tochtergesellschaft der beiden Verlage, die nicht tarifgebunden ist. In den fusionierten Redaktionen, in denen bislang mehr als 100 Redakteurinnen und Redakteure sowie zahlreiche so genannte Pauschalisten beider Titel arbeiteten, sollen Ende 2015 nur noch 67 redaktionelle Mitarbeiter beschäftigt sein. Bislang sind es mehr als 100.

Opfer der Fusion sind vor allem die freien Journalistinnen und Journalisten, auf deren Mitarbeit die RRG inzwischen verzichtet. Beim Kölner Stadt-Anzeiger haben inzwischen zahlreiche so genannte Pauschalisten, bei denen es sich eigentlich um scheinselbständige Redakteure handelt, mehr oder weniger freiwillig einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Zu welchen Bedingungen, wird im Kollegenkreis meist nicht bekannt, weil die Redaktionsleitungen die Betroffenen zum Stillschweigen aufgefordert haben. Ein Teil von ihnen wird noch bis zum Jahresende weiter bezahlt. Auf Wunsch können sie sich auch auf Kosten des Verlages durch eine Fortbildung für den problematischen Arbeitsmarkt der Branche fit machen lassen. Anderen Pauschalisten wurde eine freie Beschäftigung in einer anderen, ebenfalls outgesourcten und nicht tarifgebundenen MDS-Redaktion angeboten, in der Regeln zu schlechteren finanziellen Konditionen.

Harte Einschnitte müssen auch viele Freie verkraften, die nach Zeilenhonorar bezahlt werden. Ihr Auftragsvolumen schrumpft deutlich, da beide Zeitungstitel Termine ab sofort nur noch mit einem freien Mitarbeiter besetzen, der dann für beide Titel liefern muss. Zudem sind die Zeilen- und Fotohonorare der RRG weit von dem entfernt, was die gemeinsamen Vergütungsregeln für hauptberufliche freie Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen vorsehen – und das, obwohl ihre Beiträge inzwischen durch die Fusion in einer deutlich größeren Auflage verbreitet wird. Diese Form des Honorardumpings ist umso bemerkenswerter, als es sich bei den RRG-Eigentümern Helmut Heinen und Alfred Neven DuMont um zwei Spitzenvertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) handelt, die die Vergütungsregeln mit der dju in ver.di und dem DJV als verbindlich vereinbart haben.
pdh

Eiszeit in Zeitungsredaktionen

Verleger wollen Tarifgehälter ganzer Regionen und bundesweit erscheinender Zeitungen einfrieren

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hat sich in dieser Tarifrunde für Zeitungsredaktionen mal was ganz Neues ausgedacht: Von der Kaufkraft der Bevölkerung im Verbreitungsgebiet der jeweiligen Zeitung soll abhängig sein, ob es eine Weiterlesen

BDZV hält Verhandlungen auf und strebt jahrelanges Einfrieren der Honorare an

Auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen für freie Journalistinnen und Journalisten und die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure bei Tageszeitungen ist ergebnislos geblieben. Enttäuscht zeigte sich der Verhandlungsführer und stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Werneke, darüber, dass die Vertreter des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erneut einzig ihre Vorstellungen zur Regionalisierung der Tarifentwicklung konkretisiert hätten: „Es spricht weder für eine professionelle Herangehensweise noch für eine große Einigkeit auf Seiten der Verleger, dass sie außer einem zweifelhaften Regionalisierungskonzept keinen einzigen weiteren Punkt aus ihrem Forderungspaket konkretisieren konnten. Eine zügige Verhandlungsführung sieht anders aus“, kritisierte Werneke.
Das vom BDZV vorgeschlagene Regionalisierungskonzept hätte zur Folge, Weiterlesen

Tarifrunde für Tageszeitungsredaktionen: „Verleger sollen endlich Ross und Reiter benennen!“

Vor der morgen (23. August) stattfindenden zweiten Verhandlungsrunde für freie Journalistinnen und Journalisten sowie die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure bei Tageszeitungen forderte der stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Verhandlungsführer Frank Werneke, die Verhandler des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf, „endlich Ross und Reiter, also Zahlen und Fakten für Gehalts- und Honorarerhöhungen zu benennen.“

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di habe schon vor langem konkrete Forderungen aufgestellt. So sollten die Gehälter und Honorare um 5,5 Prozent angehoben und der Geltungsbereich der Tarifverträge auch auf die für die Zeitungsverlage zunehmend wichtigeren Online-Redakteure ausgeweitet werden. Auch die Aus- und Weiterbildung müsse den modernen, crossmedialen Bedingungen in den Redaktionen angepasst werden: „Der BDZV muss uns in den Verhandlungen jetzt mit formulierten und bezifferbaren Vorschlägen konkret erklären, wie die Weiterlesen

„völlig überzogen“? Verleger verkennen Nachholbedarf! dju in ver.di will 5,5 % mehr Gehalt und Honorare

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bezeichnet unsere Tarifforderung zur Gehalts- und Honorarerhöhung als „utopisch“ oder „völlig überzogen“. Klar, jeder Arbeitgeberverband redet den Verhandlungsspielraum für Tariferhöhungen zu Beginn der Verhandlung klein. Die wirtschaftlichen Rahmendaten lassen hingegen die Spielräume klar erkennen. Ein Blick auf die trotz Tendenzschutz durchaus vorhandenen Zahlen (ver.di-Quartalsberichte) zeigt, dass es den Verlagen weitaus besser geht, als sie uns glauben machen wollen.
Dabei will der BDZV nicht nur die Redaktionen von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abkoppeln, sondern mehr noch: „Die Gehaltsvorstellungen der Gewerkschaften ließen sich nicht von den übrigen“ Tarifverträgen getrennt verhandeln. Deshalb hat der BDZV auch den Manteltarifvertrag gekündigt, um grundlegende Tarifbedingungen gegen die Einkommens-Forderung in Stellung zu bringen.

Tarifentwicklung in den RedaktionenWas der BDZV verkennt: In kaum einer anderen Branche gab es so wenige (Nullrunden in 2011, 2010 und davor in 2005 und 2003) und geringe Tariferhöhungen wie in Zeitungsredaktionen, egal, ob auf die letzten fünf, zehn oder bis ins Jahr 2000 zurück geschaut wird: So gab es in den letzten fünf Jahren weniger als den halben Inflationsausgleich und nur ein Viertel der durchschnittlichen Tariferhöhungen aller Branchen. Aber auch Redakteurinnen und Redakteure erleben steigende Lebenshaltungskosten, und brauchen auch mal wieder eine wirkungsvolle Lohnsteigerung.

„Die Zahlen sind eindeutig: Während Lebenshaltungskosten steigen und Tariflöhne in anderen Branchen dieser Entwicklung Rechnung tragen, sinkt die Kaufkraft der Kolleginnen und Kollegen kontinuierlich und spürbar. Noch schlimmer ist die Situation für Zeitungs-Freie, die ohnehin geringere Einkommen haben und allein von Zeitungsaufträgen kaum noch leben können. Die Pauschalen für Redaktionsdienste wurden in den letzten Jahren meist gar nicht erhöht. Da muss es in dieser Tarifrunde eine Trendwende geben“, forderte ver.di-Tarifsekretär Matthias von Fintel.