Archiv der Kategorie: Medien

Tarifabschluss für 12a-Freie im WDR

Im WDR gibt es für die 12a-Freien einen Tarifabschluss. Folgende Punkte wurden vereinbart:

  • 650 € Einmalzahlung am 30. November 2015
  • + 2,0 % lineare Honorarerhöhung ab 1. November 2015
  • 375 € Einmalzahlung am 30. April 2016
  • + 2,0 % lineare Honorarerhöhung ab 1. April 2016

Die Situation der freien Mitarbeiter wird vom WDR und den Gewerkschaften als besonders gravierend eingeschätzt. Dem tragen die Tarifpartner Rechnung: Die Bemessung der Höhe der Einmalzahlung erfolgte in gemeinsamer solidarischer Anstrengung unter Berücksichtigung der besonderen Situation der freien Mitarbeiter. Außerdem wurde ein Fonds in Höhe von 200.000 € für die Laufzeit eingerichtet, um soziale Härten abzufedern. Die Tarifpartner werden sich darüber verständigen, nach welchen Verfahren das Geld aus dem Härtefall-Fonds ausgeschüttet wird.

Gesamtlaufzeit: 24 Monate, vom 1. April 2015 bis 31. März 2017

Die Gremien der Gewerkschaften und des WDR müssen dem Abschluss noch zustimmen.

DeutschlandRadio Kultur: Wenn keiner weiß, wie es weiter geht

In Berlin wird gespart – allerdings so, dass keiner wirklich weiß, wie es weiter geht. Ein Beispiel dafür, wie sparen alle verunsichert, die sparen sollen.

Eine Kollegin hat´s mir erzählt. Eine Kollegin, die regelmäßig für die Berliner Redaktionen arbeitet. Die fest angestellten Kollegen seien völlig verunsichert. Manch’ einer kann keine Aufträge vergeben, weiß er oder sie noch nicht, wann welche Sendungen mit wieviel Geld bespielt werden können.

Der Hintergrund: Bevor es Ende Juni zur Programmreform kam, ein neues Programm auf Sendung ging, hatten 1,5 Jahre Arbeitsgruppen getagt, wurden Ideen geboren und verworfen, wie man dem DeutschlandRadio Kultur Profil einerseits und Sparsamkeit andererseits verschaffen könnte. Beteiligt waren fast alle Ebenen, die auch Programm machen. Dazu gab es auch gehörigen Zwist.

Das Ergebnis – so hört man – ignoriert die Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Gestrichen ist das Radiofeuilleton, aus Ortszeit wird Studio 9, Kultur, die beliebte Nachtsendung 2244 ist ebenfalls aus dem Programmschema verschwunden – und Politikredaktion werden zusammen geschmissen

Im Haus scheint einiges schief gelaufen zu sein. Die taz berichtet ausführlich über die Reform und schreibt unter anderem: „Ein wenige Tage altes Schreiben von Vertretern des Redakteursausschusses gibt einen Einblick, wie viel Druck im Kessel ist. Die wenigen Zeilen klingen nach Anklage und Hilfeschrei. Unter der unverfänglichen Überschrift „Das Personal-Karussell dreht sich” ist von der “Verfügungsmasse Mensch” die Rede. Stellen würden viel zu spät besetzt, freie Mitarbeiter hätten bald keine Einkünfte mehr. “Es gibt Existenzängste, Tränen, Hilflosigkeit, Frust – und viele Fragen.” Und je nachdem, wen man frage, stünden 50 bis 100 Freie bald vor dem Nichts.
Nun wäre es schön, wenn es am Rhein besser klappt als an der Spree. Doch auch hier scheint eher der Rasenmäher am Werke als ein schlüssiges Konzept. Das, Transparenz, Ehrlichkeit und ein faires Miteinander auch während des Reformprozesses, bei dem man auch die Freien mit ihren Sachzwängen ehrlich ernst nimmt, das ist notwendig. Damit der Kessel nicht überkocht wie der Berliner Kessel Buntes.
psch

WDR Spar-Pläne: Freie fürchten um ihre Existenz

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk steht unter Beschuss. Vielfach wird ihm die Existenzberechtigung schlichtweg abgesprochen. Immer wieder geraten die Gebühren und nun die Haushaltsabgabe in die Schlagzeilen der Presse. Und nun kürzt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs kurz KEF erstmals die Mittel. Das löst bei ARD und ZDF eine Sparwelle aus, die sich auch im Programm niederschlägt.

Die Ankündigung der WDR-Geschäftsleitung, im nächsten Jahr eine Summe im zweistelligen Millionen-Bereich zu sparen, hat alle Mitarbeiter, feste und freie gleichermaßen, schwer verunsichert. Erstmals sollen auch Planstellen abgebaut werden. Beim WDR sollen es in den nächsten sechs Jahren 500 Stellen sein. Das soll allerdings vergleichsweise sozialverträglich passieren: Bis zum Jahr 2020 werden cirka 800 WDR-Mitarbeiter in Rente gehen und davon sollen 500 Stellen nicht nachbesetzt werden. Dennoch heißt das: Jede 10. Stelle wird gestrichen. Wer die Arbeit der ehemaligen Mitarbeiter erledigt, bleibt bislang allerdings unklar. Viele Angestellte fürchten deshalb weitere Arbeitsverdichtung.

Sparen im Programm

In einem zweiten Schritt hat Tom Buhrow nunmehr auch Sparmaßnahmen direkt am Programm angekündigt. So soll zum Beispiel der Hörfunk im nächsten Jahr alleine 6,5 Millionen weniger ausgeben. Und das bekommen die Freien dann unmittelbar zu spüren. Denn rund 80% des Hörfunk-Etats sind direkte Programm-Mittel, also Honorare. Wo und wie genau hier gekürzt werden soll, ist bislang unklar. Die neue Hörfunk-Direktorin Valerie Weber hält sich mit konkreten Angaben zurück. Der neue Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat dagegen auf der außerordentlichen Personalversammlung, die der Personalrat im Juni einberufen hat, ganz deutlich gesagt, wo er sparen will: „Kopfball“ und „Plasberg persönlich“ sollen künftig zum Beispiel wegfallen, den ARD-Ratgeber will der WDR nicht mehr beliefern, die Talk-Formate sollen reduziert werden und die Lokalzeit am Samstag soll nicht mehr aus allen 11 Studios separat kommen, sondern eine gemeinsame Weekend-Ausgabe werden.

Kein schlüssiges Konzept

Dennoch vermissen Kritiker ein abgestimmtes Sparkonzept. Sie sprechen vom Sparen mit dem Rasenmäher. Bei vielen Freien haben die Sparpläne regelrechte Existenzsorgen ausgelöst. Denn auch die Jahre davor hat der WDR bei den Honoraren bereits kräftig gespart und das haben viele Freie unmittelbar zu spüren bekommen. So sind zwar die Anforderungen in vielen Bereichen erheblich gestiegen, die Honorare dagegen nicht. Bei der Wort-Welle WDR 5 etwa gibt es schon seit Jahren nur noch ganz vereinzelte Honorar-Erhöhungen. Und wie ein Damoklesschwert schwebt über vielen Freien die bange Frage, ob ihr Bereich oder ihre Redaktion betroffen sein wird.

Freie Mitarbeit verändert

Einige Freie trifft es besonders hart. Und das hat viele Gründe. Denn anders als früher haben sich viele freie Mitarbeiter im WDR vergleichsweise fest an eine Redaktion gebunden. Das gilt ganz besonders im Bereich der regionalen Berichterstattung. Und anders als früher verdienen nur noch einige, wenige Freie „gutes Geld“ beim WDR. Bei vielen Freien sind die linearen Tarif-Erhöhungen seit Jahren nicht mehr angekommen, weil ihre Honorare über den vergleichsweise niedrigen Mindesthonoraren liegen. Nur auf diese Mindesthonorare muss der Sender die tarifierten Erhöhungen drauflegen. Rechnet man die Inflationsrate hinzu, ist der Einkommensverlust im Einzelfall erheblich. Deshalb ist es für Freie ganz besonders wichtig, dass die Spekulationen darüber, wo gespart werden soll bald ein Ende haben. Gerade Freie brauchen Gewissheit, um sich entsprechend umorientieren zu können.
Anja Arp

NevenDuMont: Kölsche Medienflaute

Ein Blick in die Lokalausgaben von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau für den Rhein-Sieg-Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis, den Rhein-Erft Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und für die Eifel fördert in diesen Tagen Erstaunliches zu Tage: Autoren, deren Berichte, Reportagen und Kommentare bislang nur in einem Lokalteil der beiden Titel zu finden waren, sind plötzlich mit identischen Beiträgen in beiden vermeintlich konkurrierenden Zeitungen zu finden. Zudem nähert sich auch das Layout der beiden in der jeweiligen Region erscheinenden Lokalausgaben immer stärker an: Gleiche Themenauswahl, identische Überschriften und eine nahezu gleichartige Bebilderung.

Die Angleichung der lokalen Berichterstattung ist das Ergebnis einer Redaktionsfusion, die die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalistinnen, aber auch die redaktionelle Vielfalt auf dem Zeitungsmarkt weiter beeinträchtigt. Seit 1. Juli werden die betroffenen Ausgaben nicht mehr von den jeweiligen Redaktionen von Heinen-Verlag und Verlag MDS mit redaktionellen Inhalten bestückt, sondern von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG), einer Tochtergesellschaft der beiden Verlage, die nicht tarifgebunden ist. In den fusionierten Redaktionen, in denen bislang mehr als 100 Redakteurinnen und Redakteure sowie zahlreiche so genannte Pauschalisten beider Titel arbeiteten, sollen Ende 2015 nur noch 67 redaktionelle Mitarbeiter beschäftigt sein. Bislang sind es mehr als 100.

Opfer der Fusion sind vor allem die freien Journalistinnen und Journalisten, auf deren Mitarbeit die RRG inzwischen verzichtet. Beim Kölner Stadt-Anzeiger haben inzwischen zahlreiche so genannte Pauschalisten, bei denen es sich eigentlich um scheinselbständige Redakteure handelt, mehr oder weniger freiwillig einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Zu welchen Bedingungen, wird im Kollegenkreis meist nicht bekannt, weil die Redaktionsleitungen die Betroffenen zum Stillschweigen aufgefordert haben. Ein Teil von ihnen wird noch bis zum Jahresende weiter bezahlt. Auf Wunsch können sie sich auch auf Kosten des Verlages durch eine Fortbildung für den problematischen Arbeitsmarkt der Branche fit machen lassen. Anderen Pauschalisten wurde eine freie Beschäftigung in einer anderen, ebenfalls outgesourcten und nicht tarifgebundenen MDS-Redaktion angeboten, in der Regeln zu schlechteren finanziellen Konditionen.

Harte Einschnitte müssen auch viele Freie verkraften, die nach Zeilenhonorar bezahlt werden. Ihr Auftragsvolumen schrumpft deutlich, da beide Zeitungstitel Termine ab sofort nur noch mit einem freien Mitarbeiter besetzen, der dann für beide Titel liefern muss. Zudem sind die Zeilen- und Fotohonorare der RRG weit von dem entfernt, was die gemeinsamen Vergütungsregeln für hauptberufliche freie Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen vorsehen – und das, obwohl ihre Beiträge inzwischen durch die Fusion in einer deutlich größeren Auflage verbreitet wird. Diese Form des Honorardumpings ist umso bemerkenswerter, als es sich bei den RRG-Eigentümern Helmut Heinen und Alfred Neven DuMont um zwei Spitzenvertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) handelt, die die Vergütungsregeln mit der dju in ver.di und dem DJV als verbindlich vereinbart haben.
pdh